• Gewässer

    Nuune usem Riedt

    Hörbeitrag Gewässer

    Das Furttal mit seiner ausgeprägten Riedlandschaft wurde als letztes Tal im Kanton Zürich entwässert.

    Sumpfiges Unterland [1] [2]
    Das flache Zürcher Unterland war bis in die Neuzeit in grossen Teilen dauernd oder periodisch nass. Zwischen Glattbrugg und Niederglatt, im Raum Neerach/Stadel/Niederglatt und im Furttal erstreckten sich grosse Riedlandschaften, zusätzlich war teilweise auch das Wehntal stark vernässt. Solche Flächen konnten nur als Weide und für die Gewinnung von Stallstreue und Torf gebraucht werden. Deshalb gehörten sie meist zu den Allmenden, was heutige Flurnamen bezeugen.

    Erste Entwässerungsbegehren [3]
    Infolge Bevölkerungswachstums seit dem Mittelalter wollte man die Allmenden immer wieder in Ackerboden umwandeln. So machte bereits Kleinjogg ab 1762 Vorstösse, Allmenden aufzulösen und deren Böden zu entwässern. Nach und nach wurden solche Projekte im Kanton Zürich angegangen. Das Unterland war auch in dieser Entwicklung eher langsam. So wurde das Furttal als letztes zürcherisches Tal erst 1923 erfolgreich entwässert.

    Entwässerungsbegehren für ein sumpfiges Tal [4]
    Die Furttaler (Dänikon und Dällikon) schrieben zwar bereits 1813 ihre ersten Begehren für ein Entwässerungsprojekt für ihr weitgehend vernässtes Tal. Damals war Escher bereits mit der erfolgreichen Linthkorrektur bekannt geworden. Es kam jedoch erst 1870 zur ersten Korrektur, welche dem heutigen Bachverlauf entspricht. Allerdings konnte dabei nicht die erforderliche Bachtiefe realisiert werden, da im aargauischen Würenlos ein Stauwehr den Fortbestand der Oetliker Mühle sichern musste. So erhielten die Furttaler Gemeinden statt Ackerland nur „Nuune usem Riedt“, also Streue von Riedwiesen.

    Erfolg beim zweiten Anlauf [4]
    Erst mit der zweiten Korrektur gewann man ab 1923 fruchtbares und wertvolles Ackerland. Diese nährstoffreichen Böden wurden besonders vom Gemüsebau entdeckt. Auf den drainierten Flächen findet dieser heute im Furttal und im Wehntal in intensivster Weise statt. Ob die feuchten, humus- und tonhaltigen Böden den hohen Belastungen des modernen Gemüsebaus über längere Zeit gewachsen sind, wird sich erst zeigen.

    Gewässerschutz [5]
    In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es durch den unkontrollierten Einsatz von mineralischen Düngern und den drainierten Böden zu besonders grossen chemischen Belastungen für unsere Gewässer. Stickstoff und Phosphor wurden rasch ausgeschwemmt und fanden sich in kurzer Zeit in den Bächen, Flüssen und Seen wieder. Mit dem Heranwachsen eines neuen Bewusstseins für ökologische Zusammenhänge gewann der Gewässerschutz zunehmend an Bedeutung. In Kläranlagen wird seither das verschmutzte Wasser gereinigt, wodurch die Belastungen im Bach mit Nährstoffen deutlich reduziert werden konnten.

    Ökologische Aufwertung [5]
    Gleichzeitig wurden die ehemals kanalisierten Gewässer nun nach ökologischen Kriterien revitalisiert. Dies ist auch am Furtbach sehr gut sichtbar. Zwischen Adlikon bei Regensdorf und Otelfingen wurde der Gewässerraum des Furtbachs in den letzten 30 Jahren markant verbreitert. Damit konnten vielfältige und artenreiche Lebensräume geschaffen werden. Der Furtbach funktioniert so als wichtiges Vernetzungsbiotop für Pflanzen und Tiere. Gleichzeitig wird die offene und zugängliche Bachlandschaft auch attraktiv für Erholungssuchende.

    Hochwasserschutz [5]
    Auslöser für diese Revitalisierungsprojekte war der Hochwasserschutz, welcher mit der zunehmenden Ausbreitung der Siedlungs- und Industriegebiete in die Ebene des Furtbachs an Wichtigkeit gewann. Mit der Verbreiterung des Gewässerraums konnte das Abflussvermögen des Furtbachs vergrössert werden. Eine andere Hochwasserschutzmassnahme ist der Rückhalt von Wasser in einem grossen Becken. Ein solches Becken sehen Sie vor sich. Wenn der Furtbach viel Wasser führt, staut sich dieses in das Becken zurück und es entsteht ein See. Dadurch, dass das Hochwasser hier zurückgestaut wird, werden die unterhalb des Rückhaltebeckens liegenden Siedlungsgebiete entlastet.

    Seit dem Bau des Hochwasserrückhaltebeckens Wüeri im Jahr 1993 hat sich eine äusserst vielfältige und wertvolle Pflanzenwelt mit zum Teil seltenen Arten etabliert. Ohne Zweifel ist mit dem revitalisierten Furtbach und dem vorliegenden Rückhaltebecken in den letzten Jahrzehnten ein neues, kostbares Stück Natur- und Kulturlandschaft entstanden.

    Luft- und Wasserschlösser [6]
    Es hätte auch ganz anders kommen können: Der Schweizerische Wasserwirtschaftsverband liess 1920 ein Projekt zur Schiffbarmachung des Furtbachs ausarbeiten. Ein Hebewerk und fünf Schleusen hätte man benötigt, um die Höhenunterschiede zwischen der Limmat in Baden und der Glatt bei Glattbrugg zu überwinden. Um das Projekt rentabel zu halten, dachten die Ingenieure an neue Industrien der Elektro-, Metall- und Chemiebranche entlang dem Kanal!




    Literatur und Quellen
    [1]Gyger, Hans Conrad: Kartengemälde des Zürcher Gebiets („Gygerplan“), 1664/67. Staatsarchiv Zürich.

    [2]Amt für Landschaft und Natur, Kt. Zürich: Historische Feuchtgebiete der Wildkarte (1850). Zürich, 2002.

    [3]Pfister, H. U., Sigg, O.: Lob der Tüchtigkeit, Kleinjogg und die Zürcher Landwirtschaft am Vorabend des Industriezeitalters. Zum zweihundersten Todesjahr Kleinjogg Gujers (1716-1785). Eine Publikation des Staatsarchivs Zürich. Orell Füssli AG, Zürich 1985.

    [4]Thommen, Felix: Meliorationen im Furttal. In Heimatkundliche Vereinigung Furttal, Mitteilung Nr. 28, Buchs 1999.

    [5]Text von Pascal Sieber, Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL), Baudirektion Kanton Zürich, April 2011.

    [6]Wüthrich, L.: Schiffbarmachung des Furtbaches. In: Mitteilungsheft der Heimatkundlichen Vereinigung Furttal, Nr. 33. Buchs ZH, 2004, S.7 f.

Switch to our mobile site