• Siedlungs-Entwicklung

    Wägchnächt Meier

    Hörbeitrag Siedlungsentwicklung

    Das Zürcher Unterland ist seit Jahrtausenden vom Menschen besiedelt. In dieser Zeit hat sich eine Tradition der Landnutzung entwickelt. Die heute sichtbaren Landschaftselemente, wie Siedlungen, Ackerland, Wiesen und Weiden, Wald, Gewässer, Obstbäume, etc. bilden ein Archiv von den verschiedenen Nutzungen dieser Tradition.

    Kleines Dorf mit Apfelbaum im Unterland [1]
    Bis Ende des Mittelalters lebten die Menschen im Zürcher Unterland grösstenteils von der Landwirtschaft. Auch Affoltern war ein Unterländer Bauerndorf, wobei Affalter im Althochdeutschen Apfelbaum hiess. Die lokalen Ressourcen, besonders die Nahrungsmittel, beschränkten die Bevölkerung auf wenige Hundert Menschen pro Dorf.

    Ein Bett im Kornfeld
    Die Siedlungen entwickelten sich bei uns vielfach an einem Hangfuss, dadurch von Hochwassern der unverbauten Gewässer etwas geschützt, trocken erreichbar und umgeben von der Ackerflur. Durch die strenge mittelalterliche Regelung (Dreizelgen-System) entstanden Haufendörfer. Historische Gebäude finden sich bei uns deshalb meist nur in den Dorfkernen, welche den ehemaligen Haufendörfern entsprechen.

    Innere Verdichtung [2]
    Die Bevölkerung vermehrte sich in den Dörfern bis an die Ressourcengrenzen. So ist aus der ersten Hälfe des 19. Jahrhunderts folgendes überliefert:

    Wegknecht Meier in Weiningen habe nur einen Drittelofen und eine Drittelstube für seine Familie. Er müsse also jeden dritten Tag die Stube heizen, habe aber nur den kältesten Drittel der Stube und friere. Daraus entstehe Streit. Die Untersuchung ergab, dass in 8 Stuben 15 Haushaltungen mit 90 Personen wohnen. Die Anteile an den Stuben sind oft nur 4 1/2 m2 gross, so dass nicht einmal ganze Öfen Platz haben.

    Stadt-Land-Gefälle mit der einsetzenden Industrialisierung
    Während die meisten Dörfer im Unterland baulich noch sehr wenig wuchsen, wurden im stadtnahen Affoltern mit der einsetzenden Industrialisierung erste Arbeiterhäuser gebaut. Die Maschinenfabriken in Oerlikon zogen viele (arme) Leute vom Land an, welche in der Nähe Unterkunft suchten. 1934 wurde Affoltern noch als relativ ländliche Gemeinde in die Stadt Zürich eingemeindet.

    Aussiedlungen
    Obwohl die mittelalterliche Flurordnung mit der Helvetischen Revolution anfangs des 19. Jahrhunderts abgeschafft wurde, bestand die räumliche Einteilung mit dem kleinparzellierten Eigentum an der Flur bis ins 20. Jahrhundert weiter. Deshalb waren landwirtschaftliche Höfe ausserhalb der Dörfer (sogennate Aussiedlerhöfe) meist erst zum Zeitpunkt der Güterzusammenlegungen im 20. Jahrhundert möglich.

    Rasende Siedlungsentwicklung im Erdölzeitalter
    In Affoltern kam es bereits in den 1940er Jahren zu einem grösseren Bauschub, während es mit zunehmender Distanz zur Stadt noch ruhiger blieb. In den 1960er Jahren haben sich mit der flächendeckenden Anwendung von Erdöl die Wachstumsgrenzen weit nach aussen verschoben, so dass die Siedlungsfläche in rasendem Tempo wuchs. Etwa zur selben Zeit wurden vielerorts Industrie- und Wohnbauzonen geschaffen und nach und nach überbaut. Je nach Ausprägung der Industrialisierung finden Sie im Unterland die unterschiedlichsten Entwicklungsstufen vom urbanen Affoltern bis zum mittelalterlichen Dorf.




    Literatur und Quellen

    [1]Schöller, R.: Wildes Obst. Rombach Verlag KG, Freiburg i. Br./Berlin/Wien, 2010, S. 43 ff und S. 54.

    [2]Grossmann, H., Krebs, E.: Forstpolitik, Forstverwaltung und Holzversorgung des Kantons Zürich von 1798-1960. In: 650 Jahre Zürcherische Forstgeschichte. Zürich, 1965, Band II, S. 80.

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